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+++ Februar 2014: Aktuelle Messungen ergeben weiterhin leicht rückläufigen Verkehr in Bermatingen +++ Durchschnittlicher täglicher Verkehr derzeit bei 10.500 Fahrzeugen pro Tag +++ Nur ungefähr die Hälfte des von Modus Consult prognostizierten und auf 2014 interpolierten Verkehrs +++ Ortsumfahrung wegen seit 2005 rückläufigem offiziell gemessenem Verkehrsaufkommen von Jahr zu Jahr immer unsinniger +++ Finanzierung offener denn je +++ Frühestens 2015 neue Planauslegung +++

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Denkschrift zum Straßenbau im Bodenseekreis

oder

Wie schützen wir unsere Landschaft und ihre Bürger ?

 

1. Mit einem Straßenbau-Moratorium und

2 . klugem, zügigem ÖPNV-Ausbau


Im Folgenden möchten wir Sie mit aktuellen Positionen bekannt machen, die Sie sicherlich nachdenklich machen werden. Denn :


Weiterer Straßenbau – so wie bisher – löst keine Verkehrsprobleme.

Es wird immer noch der Straßenneubau mit Verkehrspolitik verwechselt.


Für die Bodenseelandschaft ist jeder Bundestrassen-Aus- und Neubau Gift, weil er die Durchlässigkeit für Transitverkehr verbessert. Der zunehmende LKW-Transit ist das eigentliche Verkehrsproblem für die Bodenseeregion. Mit Straßenneubau ist es heute ohne eine schwere Schädigung der Landschaft und ihrer Bewohner gar nicht mehr lösbar ! Der Ausbau der Bundesstraßen zur Transit-Schiene gefährdet alle Nutzungen unserer schönen Landschaft. Schon Mitte der 90er Jahre betrug der Durchgangsverkehr auf der B31 30% und auf der B33 >50% ( Quelle : RegPräs ) Der bisher gleichrangigen Entwicklung von Gewerbe, Landwirtschaft und Tourismus wurde im Dez. 2007 doch gerade noch der erste Bundespreis „Landschaft 2008“ der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft verliehen !

Jeder Bundesstraßen-Neu- und -Ausbau auf den B30/B31/B33 und ein paralleler Landesstrassen-Ausbau wird dem LKW-Durchgangsverkehr von seinen GPS-Routern sofort angezeigt und von den Fahrern angenommen. Die allgemeine Belastungssituation im gesamten Netz verschärft sich noch durch den dann zunehmenden regionalen Ausweichverkehr. Auf der B31 verschiebt sich das KFZ-Spektrum zu Ungunsten der Gemeinden beim Verhältnis PKWs zu Schwerlast-LKWs. Die Folgen sind eine sehr deutliche Lärm- und Schadstofferhöhung. Das Frachtaufkommen bis 2020 soll laut der Spediteurs-Logistik-Organisation DSLV um weitere 45% zunehmen. Aber doch nicht mit einem weiterhin überproportional wachsenden Schwerverkehrsaufkommen durch die Bodenseeregion – siehe die einzige amtliche Dauer-Zählung an der Messstelle Harlachen bei Hagnau : seit 2003 bis 2007 mit +50% ! Dieses Mauseloch in Form der B31/B33 muß unbedingt eng gehalten werden. Unsere Anschlüsse zum überregionalen Fernstraßennetz sind bereits ausgezeichnet. Rein und ´raus in die Region ist für die hiesige Wirtschaft sehr gut gelöst. In ca. 30 min erreichen Friedrichshafener drei Autobahnen oder Bundes-Fernstraßen mit hochleistungsfähigem Ausbaustandard ( A98-Lindau, B30neu-Ravensburg und B31neu-Überlingen ). Die weitere Verbesserung dieser Anbindungen und kreisinternen Transit-Durchleitung hätte überproportionale Verschlechterungen in den anderen Wirtschaftsbereichen zur Folge.

Die „Hinterlandtrasse aus verketteten Ortsumfahrungen“ im seenahen westlichen Bodenseekreis ( Neuerdings als „Entlastungstrasse“ für die nicht weiter ausbaubare B31 am See oder den unrealistischen Mythos der vierspurigen „Planfall 7.5 -Trasse“ bezeichnet. MdB Schockenhoff und Kreisrat Arnegger im Südkurier vom 22.11.01:„Die mit dem Planungsfall 7 verbundene Erneuerung und Neutrassierung der B31 wird angesichts der Kosten frühestens in 40 Jahren gebaut.“). Mit einem Blick auf die Karte wird offensichtlich, wie infam die vom Verkehr geplagten Bürger der betroffenen Hinterland-Orte von den Straßenplanern getäuscht werden sollen.

Schon Verkehrsminister Eberle postulierte anlässlich einer Kreisbereisung am 21.10.1983: „Die Landesregierung wird alles daran setzen, die Aufnahme der A 98 in den Bedarfsplan zu erreichen. Sie hält an der Fortführung der A 98 über Stockach und Überlingen hinaus fest, vorerst zweispurig, evtl. noch vorgezogen als Umgehungsstraße für Bermatingen und Markdorf.“ Den gleichen Vorschlag machte davor schon Prof. Schächterle, dessen Planungsbüro Modus Consult heute noch sein böses Spiel mit der Bodenseelandschaft treibt. ( Diese Absicht lässt sich sogar mit einer Karte beweisen, in der die Linien von den heute „neu und sorgfältig“ geplanten Ortsumfahrungen und die der Autobahn z.T. übereinanderliegen.) Bei der Hinterlandtrasse handelt es sich um die folgende Linie : B31FN-West - neue, bahnparallele Ortsdurchfahrt Kluftern – OU Markdorf – OU Bermatingen – Süd- und Nord-Umfahrungen Salem-Neufrach – Nordumfahrung Salem-Stefansfeld mit Start vor Weildorf – und neu beginnend vor Rickenbach nach Baufnang zur L200 mit Anschluss an die B31neu beim Andelshofer Weiher/Kogenbach ( letztere im Regionalplan bereits erwähnt ).

Die Hoffnung der B31-Anlieger auf eine Entlastung der seenahen B31-Route durch die Hinterland-Trasse geht - ganz anders als die Erwartung – ganz bestimmt nach hinten los : weil die B31 immer voll bleibt, wird sich der Anteil des Transit-Schwerlastverkehrs auf der B31 erhöhen weil die regional Kundigen im Hinterland fahren. Diese Veränderung im Spektrum der KFZ-Zusammensetzung hat verständlicherweise gravierende Folgen auf die B31-Anlieger.

Zum „Ausbau vor Neubau“ : Es gibt bereits eine „Transit-Hinterlandtrasse aus Bundesstraßen“. Es ist die B31 ab Freiburg, vorbei an Donaueschingen, die A81 kreuzend über die Bundesstrassen B311/B312 nach Ulm/Memmingen. Diese Linie ist mit der B31-Bodensee-Route Bestandteil der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und FDP im Land. Sehen Sie doch mal auf eine Karte, die mehr als den Bodenseekreis zeigt und treten innerlich drei Schritte zurück : wo wird ein verantwortungsbewußter Verwaltungsbeamte oder Verkehrspolitiker das knappe Geld einsetzen? In den Ausbau eines vorhandenen Straßenzuges oder in die noch nicht einmal baureif geplanten und bei den Verwaltungsgerichten ausgestrittenen Neubau-Trassen des Bodenseekreises ? Die Fakten sprechen für sich. Dieser Straßenzug wurde und wird kontinuierlich und zügig ausgebaut ( z.B. die Wanderbaustellen zur Dreispurigkeit der B31, die zwei Dögginger B31-Tunnel und der aktuelle Baubeginn eines die B311 und B14 bündelnden 950m-Tunnels im Süden von Tuttlingen plus weitere Ortsumfahrungen auf dieser Linie ). Leider leiten die Navigationssysteme unkundige Fernreisende und die Transitfracht ab Engen immer noch weiter nach Süden auf die oft überlastete B31 am Bodensee entlang. Es geht in unserer Argumentation hier nicht um den berüchtigten St. Florian ( „... schon´ mein Haus, zünd´ andere an“.), sondern um einen zu favorisierenden West-Ost-Korridor für eine solche Trasse zwischen Freiburg und Memmingen, den schon 1992 eine von unseren vier Regionalverbänden in Auftrag gegebene Studie von Bender&Stahl, Stgt. Beschrieb, als die Bodenseeautobahn A98 endgültig zugrabe getragen war.

Vielleicht sind bei der Priorisierung der Finanzmittel für den Straßenbau aber auch nur die Lobbyisten aus den konkurrierenden Regionen erfolgreicher. Im Ergebnis bringt glücklicherweise auch die geballte Lobby der Regionalpolitiker den Bundes- und Landstraßen-Neubau im Bodenseekreis nicht voran. ( aktuell im Jan. 2008: mit einem Teil des „Straßenbau-Impulsprogrammes“ der Landesregierung für die OU-Bermatingen/Neufrach in Höhe von 11 Mio € will man jetzt scheint´s mit der Brechstange wieder mit der Hinterland-Trasse vorankommen.)

Zum weiteren Ausbau des Landes- und Kreisstraßennetzes : der drainiert im Bodenseekreis die Kaufkraft aus der Fläche in neue Einkaufszentren und schädigt uns alle -- bis auf die Lidl´s, Aldi´s, Baumärkte, XxxLutz´ und Co. Das Handwerk, der Mittelstand und der Einzelhandel verlieren Umsatz und Arbeitsplätze, es erfolgt ein schleichender Wandel zu Schlaf-Dörfern mit abnehmender Versorgungsstruktur. Straßen für den Ziel- und Quellverkehr haben wir im Vergleich zu anderen Regionen im Land bereits seit vielen Jahren im Überfluss ( amtlich dokumentiert : z.B. 4,5% Verkehrsfläche im Kreis gegenüber 2,2% im Land ). Bisher haben alle Straßen-Neubauten die Staus im Bodenseekreis nur hin- und hergeschoben und den Verkehr verlagert oder zusätzlichen erzeugt – das generelle Verkehrsproblem wurde überhaupt noch nicht gelöst. Dümmlicher Straßenneubau wurde hier mit kluger, moderner Verkehrspolitik verwechselt.

Es zeugt auch von außerordentlicher Arroganz der Lokalpolitiker gegenüber dem Steuerzahler wenn z.B. für den Erhalt der verkehrsbezogen fehlgeplanten Friedrichshafener Zuschussprojekte wie Messe und Flugplatz noch zusätzlicher Straßenneu- und Ausbau aus überregionalen, öffentlichen Mitteln gefordert wird.


Hier einige der Fakten, die dringend eine Neubewertung des Straßenbaubedarfs erfordern :


  • der exponentiell steigende Erhaltungsaufwand für das vorhandene Straßennetz ist seit mehr als 15 Jahren nicht mehr ausreichend finanziert. Die Strassen besonders in der Provinz werden zunehmend schlechter ( z.B. ist das Salemer Gemeindestrassen-Netz zu 60% in „schlechtem Zustand“),

  • der große Überhang an ausgestrittenen, baureif planfestgestellten Straßenbau-Vorhaben, die fristgerecht niemals mehr alle finanzierbar sind,

  • die schnelle Abnahme der Mobilität älterer Menschen mit eigenem PKW und dazu der sich verschärfende demoskopische Hintergrund,

  • die Sättigung in der Fahrzeugdichte je 1000 Einwohner und weiter sinkende PKW-Zulassungszahlen ( KBA Flensburg ; schon –9,2% in 2007 ),

  • das zurückgehende Einkommen großer Bevölkerungsschichten,

  • das seit 2002 in der BRD bereits abnehmende Verkehrsaufkommen und die seit Anfang der 90er Jahre stagnierende Mobilität ( BMV, Kontiv, DIW),

  • die sich verschärfende Situation bei der Energie-Versorgung aus fossilen Quellen, das rasch steigende Preisniveau bei Benzin und Diesel und der einsetzende Trend zu leichteren und leiseren PKWs bei abnehmendem Kraftstoffverbrauch mit Trend zu hocheffektiven Elektro-Antrieben ( die Hybrid-Technik ist vermutlich nur der Übergang zur reinen Elektromobilität mit der Einbindung in das Verbundnetz , damit es ohne Gesichts- und Umsatzverluste der verschlafenen deutschen PKW-Hersteller ausgeht ),

  • der außerordentlich große, aber meist unterschätzte Einfluss der Geschwindigkeit auf den innerörtlichen Straßenlärm ( max. 30~40 km/h wirken wie eine Halbierung des Durchgangsverkehrs; die Reifengeräusche der PKWs überwiegen bei 50 km/h die Motorgeräusche noch deutlich, der Zusammenhang Geschwindigkeit zu Geräusch verläuft min. mit der 3. Potenz. Dieses Lärm-Minderungspotential wird i.d.R. von den Kommunen noch gar nicht genutzt.),

  • auf dem Hintergrund, dass aus Kostengründen die Lärmschutz-Grenzwerte der Straßenbau-Normen viel zu hoch angelegt sind, fühlen sich die Bürger an neuen Straßen von den Schutzzusagen der Straßenplaner betrogen und fordern z.T. erfolgreich Nachbesserungen ( siehe dazu die verlegte B31-Ortsdurchfahrt Eriskirch und am B31-Tunnel in Freiburg ),

  • planerische Fehlprognosen auf überholter, aber fortgeschriebener Zahlenbasis vom Ende der 90er Jahre als Begründung für neue Straßen ( Verkehrszählung 2005 : -13% ; Modus Consult-Hochrechnung : + 77% ),

  • viele durch Flurbereinigungsverfahren übervorteilte bzw. übertölpelte Landwirte stimmen nie mehr einem Straßen-Neubau zu und beraten ihre Berufskollegen entsprechend ; es ist z.B. unglaublich, wie groß bei den jüngst gebauten bzw. geplanten Anbindungsbauwerken der Flächenverbrauch ist

     

    ( s. B31-Ortsdurchfahrt Eriskirch-Mariabrunn bzw. FN-West und ÜB-Ost ),
  • Neu- und Ausbaustrecken induzieren neben einer Verlagerung auch immer zusätzlichen Verkehr ( nach dem Teilausbau der L204 durch das Deggenhausertal erhöhte sich der Verkehr dort z.B. um 50% ; s. auch http://www.verkehrswissenschaftler.de/berichte/bericht_2.htm )

  • die Erkenntnis in den Verkehrsministerien, dass mindestens 50% aller bisher gebauten Ortsumfahrungen fast wertlos sind : zusammen mit den zu entlastenden Strecken induzierten sie im Raum Stuttgart z.B. bis zu 300% mehr Verkehr ( Quelle : LNV ). Diese Gefahr nannte uns bisher aber keiner der verantwortlichen Beamten. Der Zusammenhang ist jetzt öffentlich und sehr qualifiziert dargestellt, s. auch bei http://www.verkehrswissenschaftler.de/kommentar/kom1.htm

  • der Verkehr ist in Europa die am schnellsten wachsende Quelle für Treibhausgas-Emissionen und verantwortlich für 30% des CO2-Ausstoßes,


Allein die Summe dieser wenigen Punkte aus einem weit größeren Spektrum hat in seiner Konsequenz solche Verwerfungen in der Beurteilung zum Straßen-Neubaubedarf zur Folge, dass weitere Straßen-Planungen und deren Fortschreibungen „weiter wie bisher“ nur als grandiose wirtschaftliche Dummheit und besonders als Sünde zulasten dieser schönen Landschaft und ihrer Bewohner bezeichnet werden können. Eine mehrjährige Neubau-Pause als Straßenbau-Moratorium und als Besinnungspause für die Planer und Gutachter ist deshalb nötig – die Bauwirtschaft hat mit den erforderlichen Reparaturen genug Arbeit und wird deshalb nicht leidend.


Zu einem klugen, zügigen „ÖPNV-Ausbau“ : Die Situation ist vermutlich günstig. Zum IGA 2017-„Nachfolger“ könnte ein leistungsfähiges O-Bus-, S-Bahn- und/oder Straßenbahn-Netz ausgebaut werden. Wie am Schweizer Bodenseeufer könnten die Züge als S-Bahn mit höherer Taktfrequenz fahren und zusätzlich könnte z.B. ein O-Bus-Netz in städtischen Regionen ausgeführt werden. ( Wikipedia : Der O-Bus zählt zu den sichersten, leisesten, leistungsfähigsten und umweltverträglichsten Transportmitteln überhaupt. ) O-Busse haben je Personen-km die geringsten Umweltauswirkungen aller öffentlichen Verkehrsmittel und kosten in der Investition weniger als eine Straßenbahn. Die Linienführung bestimmen die Pendler-, Käufer- und Touristenströme. Die Frequenz und Strecken-Bedienung kann hochflexibel gehandhabt werden. Linienteile abseits vom Oberleitungsnetz können kurzzeitig auch mit DUO-Bussen dieselelektrisch bedient werden; wie z.B. sehr erfolgreich in Esslingen, Eberswalde oder Solingen. Hier fehlt der politische Wille.


Resümee : Die Bodenseeregion braucht deshalb


  • ein mehrjähriges Straßenbau-Moratorium,

  • eine sofortige Mautpflicht für den Fracht-Transit *,

  • für Abrundungen nur den Straßen-Ausbau vor Neubau,

  • einen klugen, forcierten ÖPNV-Ausbau und ganz gewiß

  • bezüglich der Verkehrspolitik sachkundigere Bürgervertreter


* Bei ernsthaftem politischem Willen ist das organisierbar : wer im Bodenseekreis nichts läd oder entläd zahlt

eine Maut oder alternativ ab und zu eine saftige Buße. Die „derzeitige Rechtslage“ (nach Köberle) ist änderbar.

 

 

Auf dem o.a. Hintergrund gründeten sich Ende Nov. 2007 in Bermatingen die Vereinigten Verkehrsinitiativen der Bodenseeregion, VVB. Sie werden im Interesse der Region und ihrer Bürger alle vom Strassenbau Betroffenen informieren und ggf. im Widerstand unterstützen und sie werden dafür sorgen, dass aus und in der Region neben dem Gezeter der mehrheitlich beamteten Strassenbau-Lobby auch noch andere Stimmen zugunsten dieser schützenswerten Landschaft und ihrer Bürger zu hören sind.



Im Dezember 2007


Bob Jürgensmeyer, Bermatingen


Mitglied der Vereinigten Verkehrsinitiativen der Bodenseeregion, VVB